Literaturland Baden-Württemberg
Waldkirch 1989
Waldkirch 1989

Schneeballen, 3. Reihe (1894)

 

Während Hansjakob seine Schwarzwaldbauern als weiche Schneeballen charakterisiert, bezeichnet er seine anders gearteten Leute vom See als harte Schneeballen. Ohne Zweifel sind diese Erzählungen, deren Helden ehemalige Pfarrkinder Hansjakobs waren, schon in Hagnau entstanden, aber aus Gründen der Rücksichtnahme erst später veröffentlicht worden.

   Nach kurzer Erörterung der Gründe seiner Versetzung an den Bodensee führt Hansjakob dem Leser seine „Seeschwaben“ vor, die hoffnungsreichen Winizer, die Fischer, Dorfschneider und Küster, die er voll Menschenliebe und Verständnis beobachtete und in deren Seelenleben tief eindrang.

   Zunächst schilderte er Die zwei Prinzen. Sie waren Söhne der bildschönen Annemarie, der Angestellten eines Schloßherrn nahe dem Bodensee. Nach dem Tode ihres Herrn bewohnte sie ein schönes Haus und lebte sorglos. Der Volksmund nannte sie „Fürstin“ und ihre Söhne „Prinzen“. Sie fiel dem Pfarrer Hansjakob wegen ihrer fürstlichen Manieren bald auf. Wie sie das Erbteil ihrer Mutter freigiebig und eigenartigerweise durchbrachten, wird recht vergnüglich erzählt. Beide verarmten, verloren aber nicht ihren Humor.

   Der Franzos ist ein geistreicher Naturmensch, der während der Revolutionszeit in Paris viel Geld verdiente. In der Heimat gab er groß an mit seinem Geld und dem roten Rock. Seine Franzosenliebe brachte ihm darum auch den Spottnamen ein.

   Die Dorfschneider finden auch Hansjakobs Interesse, der Mathä, der Thomme und – der ihm am besten gefiel – der Klemens Bock. Die geschilderten Hagnauer Gestalten werden überragt von dem „großen Kübele“. Er leibt und lebt in der prächtigen Skizze.

   Der Sakristan. Mit tief empfundener Poesie und köstlichem Humor zeichnet Hansjakob den Mann mit dem Riesenkopf, dem großen Hunger, dem unstillbaren Durst, den geistreichen Einfällen, dem kindlichen Gemüt, dem bewundernswerten Gleichmut im Unglück. So steht das Bild dieses seltenen Mannes vor der Seele des Lesers. Bunte Bilder aus dem Volksleben, die humorigen Schilderungen der badischen Revolution, an der der große Kübele sich begeistert, ergänzen das Porträt des Sakristans. Wie es so oft den Idealisten geht, erreichte auch er nicht sein erträumtes bescheidenes Glück – er starb als Gemeindearmer.

   Hansjakob beschließt sein Buch mit einem elegischen Ausblick auf die Zukunft, in der es keine „wilden Kirschen“ und keine „Schneeballen“ mehr geben wird.

Schneeballen. Dritte Reihe. Schneeballen vom Bodensee. Enthält die Erzählungen »Wie ich an den See kam«, »Die zwei Prinzen«, »Mein Sakristan«, »Unsere Dorfschneider« und »Der Franzos«.

  • 1. Auflage. Weiß Verlag, Heidelberg 1894
  • 2., neu durchgesehene Auflage. Volksausgabe, Ausgewählte Schriften in 8 Bänden, Band 8, Weiß Verlag, Heidelberg 1896, 322 S.
  • 3., neu durchgesehene Auflage. Volksausgabe, Ausgewählte Schriften in 8 Bänden, Band 8, Weiß Verlag, Heidelberg 1900, 322 S.
  • 4., neu durchgesehene Auflage. Volksausgabe, Ausgewählte Schriften in 8 Bänden, Band 8, Weiß Verlag, Kassel 1903, 322 S.
  • 5., durchgesehene Auflage. Leichter Verlag, Ohlau 1906, 322 S.
  • Volksausgabe, Ausgewählte Schriften in 10 Bänden, Band 6, 1.–6. Tsnd., Bonz Verlag, Stuttgart 1911, 311 S.; 7.–10. Tsnd., Bonz Verlag, Stuttgart 1922, 311 S.
  • 6. Auflage. Illustriert von Curt Liebich. Bonz Verlag, Stuttgart 1911, 501 S.
  • 9. Auflage. Erzählungen vom Bodensee, Bearbeitet von Franz Schmider, Hrsg. Stadt Haslach i. K, Rombach Verlag, Freiburg i. Br. 1969, 344 S.
  • Nachdruck der Ausgabe Stuttgart 1911. Erzählungen, Illustrationen von Curt Liebich, Neu hrsg. und mit einer Einführung von Helmut Bender, Waldkicher Verlag, Waldkirch 1989, XIV, 503 S.
  • Nachdruck der Ausgabe Stuttgart 1911. Erzählungen, Illustrationen von Curt Liebich, Neu hrsg. und mit einer Einführung von Helmut Bender, Waldkicher Verlag, Waldkirch 2002, XIV, 503 S. [Gedruckt mit Unterstützung der Heinrich- Hansjakob-Gesellschaft Freiburg i. Br.]