Literaturland Baden-Württemberg

»Hansjakob – Afra«

Freiburg 2022
Freiburg 2022

Heinrich Hansjakobs Erzählung „Afra“ erschien, zusammen mit den beiden Erzählungen „Der Fürst vom Teufelstein“ und „Theodor, der Seifensieder“, erstmals 1897 in dem von Wilhelm Hasemann illustrierten Sammelband „Waldleute“ beim Verlag Adolf Bonz & Comp., Stuttgart, und erzählt die tragische Lebensgeschichte von Afra, die in Wirklichkeit Juditha Oberföll hieß.

Diese Erzählung wird nun eigenständig als Band 15 in unserer Reihe „Kleine Hansjakob-Edition“ publiziert.

Der Text und die Illustrationen für diese Ausgabe wurden dem von Manfred Hildenbrand bearbeiteten Band „Waldleute“, 13. Auflage, der 1997 im Hansjakob-Verlag der Stadt Haslach erschienen ist, übernommen.

 

Dr. Oswald Floeck schreibt 1921 in seiner Hansjakobbiographie: „,Afra‘, die einzige unter seinen Volksdarstellungen, deren weibliche Hauptgestalt

zugleich den Titel hergab, vertieft das Motiv der unglücklichen Liebe wegen des Widerstandes eines Elternteils – vergleiche den ‚närrischen Maler‘ und den ‚Vogt auf Mühlstein‘ – durch den Umstand der hoffnungslosen Armut

des Liebhabers Toni, eines Holzknechts aus dem Hirschgrund, weshalb die keifende Mutter des ‚Oferle‘ ihren Widerstand auch dann nicht aufgab, als ein Zwillings-Mädchenpaar dem Liebesbund entspross. Starkmütig trägt die stille Dulderin Afra, an die Bosheit ihrer Mutter gekettet, ihr schweres Herzeleid und Lebenslos, das sich durch die Geisteskrankheit ihrer Töchter ins Ungemessene steigert. […] Als vollwertiger Lebensgestalter und Volksdarsteller

kann auch Hansjakob an dem Zuge der Geschlechter zueinander nicht vorübergehen; das versteht sich für jeden vorurteilslosen Denker von selbst; […] Aber mit welch feinsinniger Zartheit behandelt er die Verführung und den Fall der Afra. Nicht nur moralische und ästhetische Erwägungen, sondern auch die menschlich-billige Rücksichtnahme auf die damals noch lebende Dulderin verboten jedes weitere Ausmalen der Liebesgeschichte.

Ihr Urbild ist nämlich jene Juditha, die der Erzähler im Februar 1894 in Illenau traf, wohin sie eben ihr krankes Meidle Vita begleitet hatte.

Außer der trefflichen Charakteristik der Hauptpersonen, dazu auch der Mutter ‚Frenz‘ – ein kleines Weib mit starkem blondem Haar, graublauen Augen und regelmäßigen Zügen, aber mit lippenlosem Munde, über dem ein kleines Bärtchen sprosst –, wird die Erzählung durch Volks- und Jägerlieder belebt sowie durch die ausführliche Schilderung der alten Volkssitte

des ‚Säcklestreckens‘ bei Schlachtfesten, wobei entweder bloß eine harmlose Bitte in gereimter Form oder in Verbindung mit boshaften Neckereien vorgebracht wird; in letzterem Falle hat man es mit einer Art Haberfeldtreiben zu tun“. 

 

Peter Schäfer, Trossingen

 

Neuerscheinung

HANSJAKOB – AFRA

Erzählung. Herausgegeben von Peter Schäfer. 1. Auflage, Edition: Heinrich-Hansjakob-Gesellschaft 2022, 80 S., ISBN 978-3-946254-15-7, Verkaufspreis: 19,50 €